Eine Panikattacke kann sich extrem bedrohlich anfühlen: Herzrasen, Zittern, Atemnot, Schwindel, Engegefühl, Todesangst oder das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Auch wenn eine bekannte Panikattacke von selbst wieder abklingen kann, fühlt sie sich in diesem Moment oft überhaupt nicht „harmlos“ an.
Dieser Beitrag zeigt 12 konkrete Dinge, die zu Hause und unterwegs helfen können. Wichtig: Wenn Beschwerden neu, ungewohnt stark oder anders als sonst sind – besonders bei starken Brustschmerzen, Bewusstlosigkeit, Lähmungserscheinungen oder ausgeprägter Atemnot – sollte nicht automatisch von einer Panikattacke ausgegangen werden. Im Zweifel gilt: medizinische Hilfe holen.
Wer Panikattacken wiederholt erlebt, findet auf Deprisode außerdem ausführliche Beiträge zu Panikattacken nachts, Panikattacken beim Autofahren und Agoraphobie bei Supermarkt, Bus oder Menschenmengen.

Was passiert bei einer Panikattacke?
Bei einer Panikattacke treten plötzlich intensive Angst und deutliche körperliche Symptome auf. Dazu können Herzrasen, Schwindel, Zittern, Schwitzen oder Atemprobleme gehören. Manche Menschen erleben Todesangst oder nehmen ihre Umgebung vorübergehend als fremd oder unwirklich wahr.
Gerade diese körperlichen Symptome führen leicht zu einem Kreislauf: Ein schneller Puls wird als Gefahr bewertet, dadurch steigt die Angst – und mit der Angst wiederum der Puls. Die folgenden Strategien können helfen, diesen Kreislauf zu unterbrechen.
1. Erst prüfen: Ist es wirklich „nur“ Panik?
Wer seine Panikattacken gut kennt, erkennt häufig ein typisches Muster. Trotzdem sollten neue oder deutlich veränderte Beschwerden medizinisch abgeklärt werden. Das gilt besonders bei starken Brustschmerzen, Bewusstseinsstörungen, Lähmungserscheinungen, schwerer Atemnot oder anderen Zeichen eines möglichen medizinischen Notfalls.
Bei Lebensgefahr oder wenn bleibende Schäden nicht ausgeschlossen werden können, ist in Deutschland die 112 richtig. Für dringende, aber nicht lebensbedrohliche medizinische Probleme gibt es den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
2. Den Atem verlangsamen – aber nicht erzwingen
Viele Menschen atmen bei Panik schneller und flacher. Statt möglichst tief einzuatmen, kann es angenehmer sein, den Atem sanft zu verlangsamen und vor allem etwas länger auszuatmen. Zum Beispiel: ruhig einatmen, kurz warten und langsam wieder ausatmen.
Es gibt keinen perfekten Takt, der für alle passt. Wer beim Zählen noch nervöser wird, kann das Zählen weglassen und einfach versuchen, Schultern und Kiefer locker zu lassen.
Nicht empfehlenswert: in eine Papiertüte atmen. Atemnot und Brustbeschwerden können auch andere medizinische Ursachen haben – deshalb sollte diese alte Methode nicht als Standardmaßnahme verwendet werden.
3. Die Füße bewusst auf den Boden stellen
Wenn alles unwirklich oder „schwimmend“ wirkt, kann ein einfacher körperlicher Anker helfen: beide Füße fest auf den Boden stellen, die Unterlage spüren und bewusst wahrnehmen, wie sich Gewicht und Druck verteilen.
Dazu kann ein kurzer innerer Satz kommen: „Ich stehe hier. Der Boden trägt mich. Ich muss gerade nichts lösen.“ Ziel ist nicht, die Panik sofort verschwinden zu lassen, sondern die Aufmerksamkeit wieder stärker in die Gegenwart zu holen.
4. Die 5-4-3-2-1-Methode ausprobieren
Eine bekannte Grounding-Übung lenkt die Aufmerksamkeit bewusst nach außen. Nennen Sie fünf Dinge, die Sie sehen, vier Dinge, die Sie spüren, drei Dinge, die Sie hören, zwei Dinge, die Sie riechen und eine Sache, die Sie schmecken oder gern schmecken würden.
Die Reihenfolge ist nicht entscheidend. Wichtig ist der Wechsel weg von der Frage „Was passiert gerade mit mir?“ hin zu konkreten Reizen in der Umgebung.
5. Reize reduzieren – aber Sicherheit behalten
In einem vollen Geschäft, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf einer Veranstaltung kann es helfen, für einige Minuten an einen ruhigeren Ort zu gehen. Das kann eine Bank draußen, ein ruhiger Nebenraum oder einfach eine weniger volle Ecke sein.
Wer gerade Auto fährt, sollte keine Entspannungsübung während der Fahrt ausprobieren. Fahren Sie – wenn möglich und sicher – an einen geeigneten Ort, halten Sie an und kümmern Sie sich erst dann um die Panik. Mehr dazu steht in unserem Beitrag Panikattacke beim Autofahren.
6. Einen kühlen Reiz nutzen, wenn er angenehm ist
Manchen Menschen hilft ein klarer, ungefährlicher Sinnesreiz dabei, die Aufmerksamkeit aus dem Gedankenkarussell zu holen – zum Beispiel kühles Wasser an den Händen oder ein gekühltes Tuch im Nacken. Auch ein kleines Sofort-Kühlpack kann unterwegs praktisch sein.
Das ist keine Behandlung einer Panikstörung, sondern lediglich ein möglicher sensorischer Anker. Kühlpacks sollten nicht direkt und nicht längere Zeit auf nackter Haut liegen.
Werbung / Affiliate-Hinweis: Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Für Sie ändert sich der Preis dadurch nicht.
7. Einen Satz vorbereiten, der Sie nicht unter Druck setzt
Mitten in einer Panikattacke fallen komplizierte Gedanken schwer. Deshalb kann ein kurzer Satz auf einer Karte oder im Handy hilfreich sein, zum Beispiel:
„Ich kenne dieses Gefühl. Es ist sehr unangenehm, aber ich muss es nicht bekämpfen. Ich konzentriere mich jetzt nur auf den nächsten Moment.“
Wichtig ist, dass der Satz glaubwürdig klingt. Aussagen wie „Ich bin völlig ruhig“ können sich mitten in einer starken Attacke eher falsch anfühlen.
8. Ruhige Audioinhalte können helfen
Wer auf Stimmen oder Musik gut anspricht, kann eine sehr kurze Atemübung, Meditation oder vertraute Entspannungsaufnahme auf dem Handy speichern. Kleine In-Ears sind unterwegs unauffällig und passen problemlos in eine Tasche.
Nutzen Sie Kopfhörer aber nur dort, wo Sie Ihre Umgebung nicht aus Sicherheitsgründen hören müssen – also nicht beim Autofahren oder in Situationen, in denen Verkehrsgeräusche wichtig sind.

Passende Audioideen finden Sie auch in Die besten Entspannungs-Hörbücher bei Angst, Stress und Depression.
9. Ein kleines „Panik-Notfalltäschchen“ vorbereiten
Ein kleines Täschchen kann helfen, nicht erst während einer Attacke überlegen zu müssen, was gerade gut tun könnte. Darin könnten zum Beispiel liegen:
- eine Karte mit einem hilfreichen Satz
- ein kleines Kühlpack
- In-Ears
- Taschentücher
- eine Liste wichtiger Telefonnummern
- gegebenenfalls ärztlich verordnete Medikamente nach dem individuellen Einnahmeplan
Das Täschchen ist keine „medizinische Notfallausrüstung“. Es soll lediglich vertraute Dinge bündeln, damit sie bei Bedarf schnell erreichbar sind.
10. Eine vertraute Person einbeziehen
Es kann entlasten, mit einer vertrauten Person vorher zu besprechen, was während einer Attacke hilfreich ist. Manche möchten ruhig angesprochen werden, andere brauchen eher Abstand. Ein klarer Satz wie „Bleib bitte kurz bei mir und rede einfach ruhig weiter“ ist oft hilfreicher als viele gut gemeinte Ratschläge.
Auch ein vorher vereinbarter Kontakt per Nachricht kann Sicherheit geben, wenn Panik vor allem unterwegs auftritt.
11. Nach der Attacke nicht sofort alles vermeiden
Nach einer Panikattacke ist der Wunsch verständlich, den betreffenden Ort oder die Situation künftig vollständig zu meiden. Kurzfristig fühlt sich das erleichternd an. Langfristig kann starke Vermeidung jedoch dazu beitragen, dass der eigene Bewegungsradius immer kleiner wird.
Wenn Busfahren, Einkaufen, Autofahren oder Menschenmengen zunehmend vermieden werden, ist professionelle Unterstützung besonders sinnvoll. Verhaltenstherapeutische Verfahren arbeiten unter anderem daran, Angstreaktionen und katastrophisierende Bewertungen neu einzuordnen und vermiedene Situationen schrittweise wieder aufzusuchen.
Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Angst vor Supermarkt, Bus oder Menschenmengen: Was ist Agoraphobie?.
12. Wiederkehrende Panikattacken behandeln lassen
Sofortmaßnahmen können einen einzelnen Moment erleichtern. Wenn Panikattacken wiederholt auftreten, die Angst vor der nächsten Attacke immer größer wird oder der Alltag eingeschränkt ist, lohnt sich eine fachliche Abklärung. Kognitive Verhaltenstherapie gehört zu den besonders empfohlenen Therapieformen bei Panik- und Angststörungen.
Eine erste Anlaufstelle kann die Hausarztpraxis sein. Psychotherapeutische Praxen finden Sie außerdem über die Kassenärztliche Vereinigung beziehungsweise die 116117. Wenn Sie gerade auf einen Therapieplatz warten, finden Sie bei Deprisode zusätzlich Tipps im Beitrag Wartezeit auf einen Therapieplatz.
Was lieber nicht machen?
- Nicht in eine Papiertüte atmen.
- Nicht automatisch Beruhigungsmittel einnehmen, die nicht dafür ärztlich verordnet wurden.
- Nicht mit Alkohol „gegensteuern“.
- Beim Autofahren keine Augen schließen oder Entspannungsübung beginnen. Erst sicher anhalten.
- Neue oder ungewöhnliche Beschwerden nicht vorschnell als Panik abtun.
Mini-Plan für unterwegs
Wenn Sie sich nur fünf Punkte merken möchten:
- Prüfen: Gibt es Anzeichen für einen medizinischen Notfall?
- Sicher hinsetzen oder stehen bleiben.
- Ausatmen verlangsamen und Füße spüren.
- Fünf Dinge in der Umgebung benennen.
- Bei Bedarf eine vertraute Person kontaktieren.
Fazit
Panikattacken fühlen sich bedrohlich an, und es gibt nicht den einen Trick, der bei allen Menschen sofort funktioniert. Sinnvoll ist ein kleines persönliches Repertoire: langsamer atmen, einen sicheren Ort aufsuchen, Grounding, ein vertrauter Satz oder eine ruhige Audioaufnahme.
Entscheidend ist jedoch der zweite Schritt: Wenn Attacken wiederkehren oder zu Vermeidung führen, sollte die Ursache nicht nur mit Notfallstrategien überdeckt werden. Professionelle Behandlung kann helfen, die Angst langfristig besser zu verstehen und zu beeinflussen.
Quellen und weiterführende Informationen
- gesund.bund.de: Panikstörung / Panikattacken
- gesund.bund.de: Kognitive Verhaltenstherapie
- gesund.bund.de: Mit Angst umgehen
- gesund.bund.de: Nummern für den Notfall
Akute Krise: Bei unmittelbarer Gefahr oder schweren medizinischen Beschwerden wählen Sie 112. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123 erreichbar.
Pingback:Notfalltasche bei Angst und Panik: Was wirklich sinnvoll ist – Deprisode
Pingback:Panikattacke unterwegs: Was tun in Supermarkt, Bus, Bahn und Menschenmengen? – Deprisode
Pingback:Panikattacke bei der Arbeit: Was tun im Büro, Meeting oder auf dem Arbeitsweg? - Deprisode
Pingback:Panikattacke: Symptome & körperliche Reaktionen verstehen
Pingback:Panikattacke beim Autofahren: Was tun bei Angst am Steuer?
Pingback:Panikattacke – was tun? Soforthilfe & nächste Schritte